Stolz auf Holz

Quelle: Allgemeine Zeitung, Rhein Main Presse
(von Conny Haas)

Fertighäuser von der Stange sind kaum noch gefragt. Heute steht Individualität im Vordergrund – so auch bei Kunkelmanns in Bad König.
Bad König im Odenwald ist umgeben von viel Grün – Wiesen und Wälder umsäumen den Ort. Im Herbst zeigen die bunten Laubbäume ihre ganze Pracht. Natur pur. Kein Wunder, dass Familie Kunkelmann Wert auf natürliche Werkstoffe legt. Fichten- und Eichenholz aus bayerischen und österreichischen Wäldern dominiert das 270 Quadratmeter große Haus – und macht es gemütlich, ohne dass es bieder wirkt.

Das Highlight des Hauses: der offene Wohn-, Ess- und Kochbereich. (Fotos: Stilfotografie)

Der eher ungewöhnlich große Dachüberstand rund ums Haus schützt die Fassade, hält die Feuchtigkeit ab und ist Schattenspender zugleich. Egal ob Sonne oder Regen: Balkon und Terrasse sind jederzeit nutzbar.

Vier Jahre ist es jetzt her, dass sich das Ehepaar mit der befreundeten Architektin Melanie Pfau erste Gedanken über einen möglichen Hausbau in Hanglage, direkt unterhalb des Elternhauses von Michael Kunkelmann (34 Jahre), gemacht hat. „Wir wollten etwas Besonderes, Wohnen und Arbeiten sollte harmonisch integriert werden“, erklärt Maren Kunkelmann (32). Das ist auf jeden Fall gelungen. Wer vor dem modernen Wohnhaus mit Fotoatelier auf der unteren Ebene steht, kann sich kaum vorstellen, dass es sich um ein Fertighaus handelt.

Genau genommen ist das Haus im Odenwald auch kein klassisches Fertighaus, zumindest nicht, wie man sich den Bau eines Fertighauses im Allgemeinen vorstellt: Katalog aufschlagen, Teile auswählen, fertig. „Im Prinzip ist das Wohnhaus der Familie Kunkelmann ein individuell geplantes Haus, das in unserem Werk in Erbach gefertigt, vorelementiert und in Bad König aufgestellt wurde“, erklärt Zimmermeister Axel Engelhardt. Sämtliche Wünsche wurden erfüllt – egal ob das Fenster im Bad kurzfristig an eine andere Stelle rutschen, der Balkon kleiner und der Essbereich größer werden sollte. „Besonders gut hat mir gefallen, dass wir die Elektroplanung nicht am Reißbrett planen mussten, sondern erst direkt im Gebäude ausgewählt haben, wo Schalter, Steckdosen und Anschlüsse sitzen sollen“, erzählt Michael Kunkelmann. Ehefrau Maren ergänzt: „Und ich konnte mich quasi schon probeweise in die Dusche reinstellen, um zu testen, wo am besten eine Aussparung zum Abstellen von Haarshampoo und Duschgel integriert wird.“ Kleinigkeiten, die das Wohnen angenehm machen. 

Kunststoffe weitestgehend vermieden

Gebaut wurde in diffusionsoffener Holzrahmenbauweise als Effizienzhaus 55. Kunststoffe konnten weitestgehend vermieden werden: Die Außenfassade schließt mit einer Holzfaserdämmplatte ab, die als Putzgrund dient. Innen wurde anstelle einer Plastikfolie eine Holzwerkstoffplatte verwendet. „Bei den Fenstern haben wir einen guten Kompromiss gefunden“, erklärt Axel Engelhardt. Eine Kombination aus hochwertigem Holzfenster und wetterfestem Alu. „Im Innenbereich sorgt das Fichtenholz für Atmosphäre, außen passt sich die Aluschale ins Gesamtbild ein. Der Pflegeaufwand ist somit gering.“ Die Energiekosten sind es ebenfalls: Sie liegen für die 270 Quadratmeter (Wohnung und Fotostudio) bei rund 100 Euro im Monat.

Die Wärmedämmung der Gebäudehülle und die Haustechnik sind aufeinander abgestimmt. Zum Einsatz kommen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und eine kontrollierte Be- und Entlüftung. „Die verbrauchte Luft wird abgesaugt und der Raum mit gefilterter Frischluft versorgt“, erklärt Axel Engelhardt, Geschäftsführer des gleichnamigen Fertigbau-Unternehmens in Erbach. Diese Art der Belüftung erzeugt ein gutes Raumklima und ist auch für Allergiker geeignet. Ein Kaminofen ergänzt die Fußbodenheizung. Das knapp 800 Quadratmeter große Hanggrundstück wurde in seiner vollen Breite von 18 Metern ausgenutzt. Beim Betreten des großzügigen Hausflures ist nicht erkennbar, dass man sich eigentlich im Keller des Hauses befindet. Hier sind der Wasch- und Technikraum sowie ein Büro  untergebracht. Über einen großzügigen Flur gelangt man zum einen halben Meter in die Erde versenkten Fotoatelier von Maren Kunkelmann und über eine breite Treppe zum eigentlichen Wohnbereich. Schon auf dem Weg nach oben ist zu spüren, mit wie viel Liebe zum Detail hier gebaut wurde. Über kleine LEDSpots in der Wand können die Eichenstufen beleuchtet werden und durch zwei Tageslichtspots gelangt zudem natürliches Licht in den großen Flur, von dem aus das Schlaf- und die zwei Kinderzimmer erreicht werden.

Die großen, bodentiefen Fenster-(Türen) an drei Seiten des Gebäudes haben gleich mehrer Funktionen: Sie bringen Licht in die Wohnung, geben einen herrlichen Ausblick in die Natur und führen außerdem auf die Terrasse und den Balkon. Ein hoch angesetztes Fensterband an der Wohnzimmer-Außenwand sorgt hingegen für einen gemütlichen Rückzugsort und schützt vor unerwünschten Einblicken. Die Fußböden sind komplett in Eichenholz gehalten, lediglich Küche und Bad sind gefliest und die Kinderzimmer haben einen natürlichen Linoleumboden erhalten.

Das Highlight ist der offene Wohn-/Ess- und Kochbereich. Er strahlt sofort Gemütlichkeit aus, obwohl alle Wände weiß gestrichen sind und auch die Küche in edlem weiß glänzt. Die besonders heimelige Atmosphäre entsteht durch die mit Holz gesetzten Akzente: ein breiter Holz-Handlauf an der Treppenbrüstung, große Fenster mit Fichten-Holzrahmen und die sichtbare Holzdecke. „Zunächst hatten wir nur mit dem Gedanken gespielt, im Wohn- und Essbereich die Holzbalken sichtbar zu lassen und die Holzbalkenkonstruktion im Flur zu verkleiden“, erinnert sich das Ehepaar in der Rückschau. Heute sind sie froh, dass sie kurzfristig – nach Einbau der Konstruktion – entscheiden konnten, alles offenzulassen. „Das Holz und die hohe Decke sorgen für noch mehr Raum und Gemütlichkeit“, sind sich die Kunkelmanns einig.

Auch wenn der komplett offene Wohnbereich ab und an für kleine Unstimmigkeiten sorgt: „Die Vorteile überwiegen“, lacht Maren Kunkelmann und ihr Ehemann stimmt ihr zu. Vor allem Sohnemann Henri (2) genießt es, überall frei herumlaufen zu können. Mama und Papa haben ihn zum Beispiel beim Kochen dank der offenen Bauweise stets im Blick oder in Hörweite.

Ein weiteres Highlight ist der Kamin an einer eingezogenen kleinen Wand in der Mitte des Raumes. „Eigentlich wollten wir den Kamin an die Außenwand setzen, doch während der Bauphase ist die Idee mit der Zwischenwand entstanden“, erklärt Michael Kunkelmann. Das wertet den Raum optisch noch einmal auf. Im Außenbereich wurde eine Mauer aus fränkischem Muschelkalk als Übergang zwischen Veranda und Garten gewählt. Ein Steingarten mit Treppenstufen soll noch entstehen. Dann könnte man vom Vorplatz aus direkt in den Garten gelangen.

Quelle: Allgemeine Zeitung, Rhein Main Presse l Samstag, 18. November 2017