Mehr Platz zur Gestaltung des Tages

Quelle: Echo Medien 18.06.2020
(Marion Menrath)

Die WfB-Wohnstätte in Biebesheim bekommt Raum für die Aktivitäten einer älter werdenden Klientel in weiterem Gebäude
BIEBESHEIM. Auf diesen Tag haben sie in der WfB-Wohnstätte in Biebesheim seit sechs Jahren gewartet: Mit einem symbolischen Spatenstich begann hinter den Wohngebäuden der Werkstätten für Behinderte (WfB) Rhein-Main an der Wormser Straße der Bau eines neuen Gebäudes für die „Gestaltung des Tages“. Da einige der 36 Bewohner mittlerweile im Rentenalter sind, ist der Bedarf für Angebote zur Tagesstrukturierung gestiegen.

„Als wir das Wohnheim im Jahr 2000 gebaut haben, war das nicht absehbar“, betont WfB-Vorstand Cassius Hillmann. Mittlerweile seien die Bewohner aber 20 Jahre älter und einige könnten nicht mehr in den Werkstätten arbeiten. Bereits Ende 2014 habe man deshalb eine erste Tagesgruppe für sechs Klienten im Wohnheim eingerichtet. Das sei aber räumlich eigentlich nicht darauf ausgerichtet. Seitdem wurden die Pläne für den Neubau vorangetrieben. In der Wohnstätte Herta Max in Rüsselsheim gibt es schon seit Längerem eine Tagesbetreuung.

Hinter der WfB-Wohnstätte entsteht der Neubau. Von links: Hans-Martin Theis, Generalunternehmer Axel Engelhardt, WfB-Vorstand Cassius Hillmann und Architekt Hans Birli.
Foto: Vollformat/Robert Heiler

Mittlerweile nutzten in Biebesheim zehn Menschen die Tagesbetreuung, erläutert Birgit Wiechers, WfB-Bereichsleiterin Wohnen. Wenn der Neubau im April 2021 in Betrieb genommen wird, sollen 15 Plätze angeboten werden. Geplant sei gemeinsames Kochen, Basteln, Gymnastik oder Ausflüge. Eine Gruppe habe alte Stühle restauriert und mit Bildern beklebt, was aber derzeit wegen der Corona-Pandemie leider nicht möglich sei. „Viele Bewohner gehen persönlichen Wünschen nach“, betont Wiechers. Eine Frau sei begeisterte Malerin und verschenke Bilder. „Auch Musik wird groß geschrieben“, insbesondere Wunschtitel zum Mitsingen, so Wiechers.

Als Nebeneffekt werden in dem Neubau vier kleine Appartements entstehen, um die letzten beiden Doppelzimmer im Wohnheim aufzulösen, erläutert Hillmann. Das sei heute nicht mehr zeitgemäß. Es kommen keine zusätzlichen Bewohner dazu; sondern es gibt mehr Platz für die vorhandenen, versichert er. Die neuen Appartements werden mit Kochnischen ausgestattet, um die Eigenständigkeit der Bewohner weiter zu fördern. „Wenn wir im April einziehen können, werden wir viele Bewohner sehr glücklich machen“, sagt der WfB-Vorstand. Das gelte auch für die pädagogischen Fachkräfte.

Entstehen wird ein einstöckiges Gebäude in Holzständerbauweise für 1,2 Millionen Euro, was größtenteils über den Landeswohlfahrtsverband finanziert werde, wie WfBSprecher Steffen Walther erläutert.
Die Stiftung habe der Gemeinde Biebesheim ein Grundstück für 105 000 Euro abgekauft und der WfB zur Verfügung gestellt.

Vorausgegangen war eine gemeinsame Suche mit der Gemeinde Biebesheim nach dem geeigneten Platz und lange Verhandlungen mit dem Kostenträger, bevor man sich auf „dieses wundervolle Grundstück“ direkt hinter dem Wohnheim geeinigt habe, so Hillmann. Für die Bewohner habe dies den Vorteil, dass sie die Räume direkt von ihrem Zimmer aus erreichen können.

Die Gemeinde sei von Beginn an einbezogen gewesen, betont Bürgermeister Thomas Schell (SPD). „Wir haben vor einer Karte gestanden, um zu schauen, wo wir das Tagesangebot realisieren und in das Leben der Gemeinde integrieren können“, so der Bürgermeister. Man verstehe sich als Partner der WfB. Die Entscheidungen in den Gremien seien einmütig gefallen. Neben der Wohnstätte sind in Biebesheim auch eine WfB-Werkstatt, ein Berufsbildungsbereich und eine Tagesförderstätte beheimatet.

Durch den klimaneutralen Baustoff Holz spare man 120 Tonnen Kohlendioxid beim Bau, versichert Generalunternehmer Axel Engelhardt. Bei ihm in Erbach entstehen die Holzrahmenteile, sodass der Rohbau in zwei bis drei Wochen steht. Wie Architekt Hans Birli erläutert, sind jeweils die Hälfte der 360 Quadratmeter Fläche für Tagesgruppen und für die Appartements vorgesehen.